Nassfutter oder Trockenfutter?
Was wirklich besser für Hunde ist – und warum die Antwort komplizierter ist, als viele denken
Hallo, ich bin Gino.
Ein kleiner Maltipoo mit flauschigem Fell, grossen Knopfaugen und einer grossen Schwäche für alles, was nach Parmigiano riecht.
Neulich habe ich mich gefragt, warum Menschen beim Thema Hundefutter plötzlich zu Experten werden.
Die einen sagen, Trockenfutter sei das Beste überhaupt. Die anderen schwören auf Nassfutter. Dann gibt es noch die BARF-Fraktion, die überzeugt ist, dass nur Rohfütterung wirklich artgerecht sei. Und mittendrin sitze ich. Ein Hund, der sein Lieblingsfutter manchmal zwei Wochen lang begeistert frisst und danach so tut, als hätte er es noch nie gesehen.
Also habe ich recherchiert.
Und dabei festgestellt: Die Antwort auf die Frage „Nassfutter oder Trockenfutter?“ ist deutlich spannender, als ich erwartet hatte.
Warum Hundebesitzer über Futter so leidenschaftlich diskutieren
Kaum ein Thema sorgt unter Hundebesitzern für mehr Diskussionen als Ernährung. Das ist eigentlich verständlich, denn Futter begleitet uns jeden Tag. Gleichzeitig möchten alle nur das Beste für ihren Hund.
Das Problem beginnt dort, wo Meinungen und Wissenschaft auseinandergehen. Viele Empfehlungen basieren auf persönlichen Erfahrungen. Das ist nicht grundsätzlich falsch, aber was bei einem Hund hervorragend funktioniert, kann beim nächsten völlig anders aussehen.
Genau deshalb gibt es bis heute keine wissenschaftliche Antwort nach dem Motto:
„Nassfutter ist immer besser.“
oder
„Trockenfutter ist immer besser.“
Die wichtigste Frage lautet vielmehr:
Passt das Futter zu deinem Hund?
Denn Hunde unterscheiden sich in Alter, Aktivität, Gesundheit, Geschmack und Verdauung teilweise genauso stark wie Menschen.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Nass- und Trockenfutter?
Der grösste Unterschied liegt im Wassergehalt.
Trockenfutter enthält meist nur etwa 8 bis 12 Prozent Feuchtigkeit. Nassfutter dagegen besteht häufig zu 70 bis 80 Prozent aus Wasser. Dadurch unterscheiden sich die beiden Fütterungsformen nicht nur im Aussehen, sondern auch bei Kalorienmenge, Lagerung, Sättigungsgefühl und Flüssigkeitsaufnahme.
Viele Hundehalter vergleichen deshalb Äpfel mit Birnen.
Eine kleine Portion Trockenfutter enthält oft ähnlich viele Kalorien wie eine deutlich grössere Portion Nassfutter. Das erklärt auch, warum Futternäpfe bei Nassfutter häufig voller aussehen.
Für Hunde macht das optisch keinen Unterschied.
Für Menschen schon.
Die Vorteile von Trockenfutter
Trockenfutter ist weltweit die häufigste Fütterungsform. Das liegt nicht daran, dass alle Hunde es lieben, sondern weil es viele praktische Vorteile bietet.
Es lässt sich leicht lagern, bleibt lange haltbar und ist unkompliziert auf Reisen. Auch für Hundesitter, Ferienbetreuung oder spontane Ausflüge ist Trockenfutter meist deutlich einfacher zu handhaben als Nassfutter.
Darüber hinaus eignet sich Trockenfutter hervorragend für Training, Beschäftigung und Suchspiele. Genau hier wird es bei mir spannend.
Wenn meine Menschen das Futter einfach in den Napf legen, ist mein Interesse manchmal eher überschaubar. Verstecken sie dieselben Stückchen jedoch in Kartons, Bechern oder Schnüffelspielen, werde ich plötzlich zum begeisterten Schatzsucher.
Das hat einen interessanten Hintergrund.
Auch wenn wir heute Familienhunde sind, tragen wir immer noch viele Verhaltensweisen unserer Vorfahren in uns. Wölfe mussten ihre Nahrung suchen, verfolgen und erarbeiten. Nahrung erschien nicht einfach morgens und abends im Napf.
Deshalb macht es vielen Hunden Spass, ihre Nase einzusetzen und Futter aufzuspüren. Verhaltensforscher sprechen dabei oft von „Enrichment“ oder Nasenarbeit. Studien zeigen, dass Suchaufgaben Hunde geistig stark fordern können und oft sogar ermüdender sind als ein gewöhnlicher Spaziergang.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis.
Das Futter selbst bleibt gleich.
Aber die Aufgabe wird spannender.
Wenn du einen Hund hast, der sein Trockenfutter manchmal ignoriert, lohnt sich deshalb oft ein Blick auf die Beschäftigung und nicht nur auf die Futtersorte.
Die Nachteile von Trockenfutter
Natürlich hat Trockenfutter auch Nachteile.
Der offensichtlichste Punkt ist der geringe Wasseranteil. Hunde müssen diese fehlende Flüssigkeit durch Trinken ausgleichen. Die meisten Hunde schaffen das problemlos. Einige trinken jedoch vergleichsweise wenig, was insbesondere bei bestimmten gesundheitlichen Problemen berücksichtigt werden sollte.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Verarbeitungsgrad. Viele Trockenfutter werden unter hohen Temperaturen hergestellt. Je nach Hersteller und Qualität kann dies Einfluss auf einzelne Inhaltsstoffe haben.
Ausserdem berichten viele Hundebesitzer davon, dass ihre Hunde nach einiger Zeit das Interesse verlieren. Wir kennen dieses Phänomen nur zu gut. Ein Futter wird begeistert gefressen, scheint der neue Superstar im Napf zu sein – und wenige Wochen später wird es angeschaut, als wäre es ein Fremdkörper.
Ob Hunde tatsächlich Langeweile beim Futter entwickeln oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen, wird noch diskutiert. Fakt ist jedoch: Dieses Verhalten ist deutlich verbreiteter, als viele denken.

Die Vorteile von Nassfutter
Nassfutter punktet vor allem durch seinen Geruch und Geschmack. Hunde orientieren sich deutlich stärker an ihrer Nase als wir Menschen. Deshalb wird Nassfutter von vielen Hunden als besonders attraktiv wahrgenommen.
Zusätzlich liefert Nassfutter grosse Mengen Flüssigkeit. Gerade Hunde, die wenig trinken, können davon profitieren. Der hohe Wasseranteil kann ausserdem dabei helfen, ein längeres Sättigungsgefühl zu erzeugen.
Viele Hundehalter berichten zudem, dass mäkelige Hunde Nassfutter deutlich lieber annehmen als Trockenfutter.
Das überrascht wenig.
Aus Hundesicht riecht Nassfutter oft einfach interessanter.
Die Nachteile von Nassfutter
Dafür bringt Nassfutter andere Herausforderungen mit sich.
Es ist meist teurer, benötigt mehr Lagerplatz und muss nach dem Öffnen gekühlt werden. Auf Reisen oder bei längeren Ausflügen empfinden viele Hundebesitzer Nassfutter als weniger praktisch.
Hinzu kommt, dass die Futtermengen deutlich grösser wirken. Manche Menschen erschrecken zunächst, wenn sie die empfohlenen Portionsgrössen lesen. Dabei besteht ein grosser Teil dieser Menge lediglich aus Wasser.
Wer Nassfutter und Trockenfutter vergleicht, sollte deshalb immer die Nährstoffdichte berücksichtigen und nicht nur die Grösse der Portion.
Der grösste Irrtum über Trockenfutter und Zähne
Eine Aussage hört man seit Jahren:
„Trockenfutter reinigt die Zähne.“
Ganz so einfach ist es leider nicht.
Viele Hunde kauen Trockenfutter kaum, sondern schlucken die Kroketten relativ schnell herunter. Dadurch entsteht oft deutlich weniger Reinigungseffekt, als viele Menschen vermuten.
Für die Zahngesundheit spielen andere Faktoren häufig eine grössere Rolle. Dazu gehören geeignete Kauartikel, regelmässige Kontrollen und eine gute Zahnpflege.
Genau deshalb planen wir auch einen eigenen Artikel zum Thema Zahnpflege beim Hund, denn dort gibt es einige überraschende Erkenntnisse.

Warum manche Hunde ihr Lieblingsfutter plötzlich nicht mehr wollen
Dieses Thema beschäftigt erstaunlich viele Hundebesitzer.
Und ehrlich gesagt auch meine Familie.
Immer wieder gab es Futtersorten, die ich zunächst begeistert gefressen habe. Nach einigen Wochen war die Begeisterung dann plötzlich verschwunden.
Die Wissenschaft kennt verschiedene mögliche Erklärungen. Hunde reagieren oft stärker auf Geruch, Konsistenz und Abwechslung als Menschen. Gleichzeitig sind viele Hunde intelligent genug, um Zusammenhänge zu erkennen.
Manche lernen beispielsweise:
Wenn ich das Futter liegen lasse, passiert vielleicht etwas Interessanteres.
Andere Hunde profitieren schlicht von mehr Beschäftigung rund um die Mahlzeit.
Deshalb kann es sinnvoll sein, Futter nicht nur zu servieren, sondern auch Suchspiele oder Denkaufgaben einzubauen. Für selbstgemachte Trainingssnacks oder kleine Suchspiele nutzen wir übrigens regelmässig die Collory Backmatten* . Die kleinen Snacks eignen sich perfekt für Nasenarbeit und Beschäftigung.
Ist die Mischung aus Nass- und Trockenfutter sinnvoll?
Viele Menschen glauben, sie müssten sich für eine Seite entscheiden.
Die Realität sieht anders aus.
Eine Kombination aus Nass- und Trockenfutter ist weit verbreitet und wird von vielen Tierärzten als völlig unproblematisch angesehen, solange die Gesamtmenge stimmt und die Nährstoffversorgung ausgewogen bleibt.
Genau diesen Weg gehen wir aktuell auch.
Ich bekomme Nassfutter.
Ich bekomme Trockenfutter.
Und natürlich bekomme ich gelegentlich die Dinge, die ich besonders liebe.
Zum Beispiel die Leckerlis aus „Die 7 Leckerlis, für die ich alles stehen lassen würde“. Falls du wissen möchtest, wer dort den ersten Platz belegt hat, kannst du wahrscheinlich schon ahnen, welche Rolle Parmigiano spielt. 😄
Und was ist mit BARF?
Spätestens jetzt taucht meist die nächste Frage auf.
Was ist eigentlich mit BARF?
BARF steht für „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ und basiert auf rohem Fleisch, Innereien, Gemüse und weiteren Zutaten. Befürworter schätzen die Kontrolle über die Inhaltsstoffe und die individuelle Zusammenstellung.
Kritiker weisen darauf hin, dass Fehler bei der Zusammensetzung schnell zu Mangelerscheinungen führen können. Zudem spielen Hygiene und Fachwissen eine wichtige Rolle.
Da dieses Thema so umfangreich ist, widmen wir ihm einen eigenen Artikel. Dort schauen wir uns an, was BARF wirklich bedeutet und für welche Hunde diese Fütterungsform geeignet sein kann.

Was sagen Experten heute?
Die meisten Ernährungsexperten sind sich erstaunlich einig.
Es gibt nicht die eine perfekte Fütterungsform für alle Hunde.
Viel wichtiger sind Faktoren wie Verträglichkeit, Nährstoffversorgung, Gesundheitszustand, Aktivitätsniveau und die individuellen Bedürfnisse des Hundes.
Ein Hund, der gesund ist, sein Futter gerne frisst, normales Gewicht hält und sich wohlfühlt, liefert oft bereits den besten Hinweis darauf, dass die Ernährung grundsätzlich funktioniert.
Wenn du dich zusätzlich mit gesunden Lebensmitteln beschäftigen möchtest, findest du in „Welche Lebensmittel dürfen Hunde essen? Die grosse Übersicht für Hundebesitzer“ eine ausführliche Liste mit Obst, Gemüse, Samen und weiteren spannenden Informationen.
Fazit
Wenn du gehofft hast, dass ich dir jetzt verrate, ob Nassfutter oder Trockenfutter eindeutig besser ist, muss ich dich leider enttäuschen.
Die ehrliche Antwort lautet:
Es kommt darauf an.
Trockenfutter bietet praktische Vorteile und eignet sich hervorragend für Training, Suchspiele und Beschäftigung. Nassfutter punktet mit Geschmack und einem hohen Wassergehalt. Viele Hundehalter kombinieren heute erfolgreich beide Varianten.
Viel wichtiger als die Frage nach Nass- oder Trockenfutter ist deshalb eine andere:
- Frisst dein Hund das Futter gerne?
- Verträgt er es gut?
- Bleibt er gesund und fit?
Wenn die Antwort Ja lautet, bist du wahrscheinlich bereits auf einem sehr guten Weg.
Und falls dein Hund sein Lieblingsfutter plötzlich wieder ignoriert, probiere vielleicht zuerst ein kleines Suchspiel aus.
Manchmal braucht ein Hund kein neues Futter.
Sondern einfach ein kleines Abenteuer.
Liebe Grüsse
Gino 🐾
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