Warum unser Maltipoo plötzlich alles angebellt hat
Der Sheriff der Nachbarschaft
Hallo, ich bin Gino.
Ein kleiner Maltipoo mit flauschigem Fell, grossen Knopfaugen und einer selbst ernannten Verantwortung für die Sicherheit unseres Quartiers.
Zumindest sehe ich das so.
Meine Menschen nennen es manchmal etwas anders. Sie sprechen von Bellen, Übertreiben oder sogar von einem kleinen Kontrollproblem. Ich persönlich finde diese Begriffe etwas unfair.
Schliesslich muss doch jemand darauf achten, was draussen passiert.
Wenn bei den Nachbarn jemand die Treppe hochläuft, ein fremder Besucher auftaucht oder sich irgendwo etwas Verdächtiges bewegt, bin ich sofort zur Stelle. Und mit „zur Stelle“ meine ich natürlich, dass ich lautstark meine Meinung dazu äussere.
Heute erzähle ich dir, warum ich plötzlich alles angebellt habe, weshalb das meine Menschen manchmal zur Verzweiflung bringt und was wir bisher darüber gelernt haben.
Angefangen hat es schleichend
Ehrlich gesagt können meine Menschen heute gar nicht mehr genau sagen, wann das Ganze begonnen hat.
Es war nicht so, dass ich eines Morgens aufgewacht bin und beschlossen habe, ab sofort der Sicherheitschef der Nachbarschaft zu werden.
Vielmehr entwickelte sich das Verhalten nach und nach.
Irgendwann bemerkten meine Menschen, dass ich immer häufiger kommentierte, was draussen geschah. Anfangs wirkte das sogar ganz praktisch. Schliesslich meldete ich zuverlässig, wenn jemand vor dem Haus stand oder sich etwas Ungewöhnliches ereignete.
Das Problem war nur, dass meine Definition von „ungewöhnlich“ mit der Zeit immer grosszügiger wurde.

Das Haus der Nachbarn steht unter meinem Schutz
Besonders interessant ist dabei, dass ich nicht nur unser Zuhause bewache.
Nein.
Offenbar habe ich beschlossen, auch das Haus der Nachbarn in mein Zuständigkeitsgebiet aufzunehmen.
Wenn ich auf unserer Terrasse sitze, habe ich einen guten Überblick über die Umgebung. Und sobald jemand die Treppe bei den Nachbarn hochläuft, bin ich alarmiert.
- Wer gehört hierher?
- Wer ist neu?
- Was macht diese Person da?
- Warum trägt sie eine Tasche?
Viele Fragen müssen schliesslich geklärt werden.
Meine Menschen sehen dabei meist nur einen bellenden Maltipoo auf der Terrasse. Ich dagegen sehe mich als aufmerksamen Beobachter mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl.
Was ich anbelle und was nicht
Interessanterweise belle ich längst nicht alles an.
Andere Hunde interessieren mich meistens aus ganz anderen Gründen. Mit ihnen möchte ich lieber spielen.
Autos sind ebenfalls kein Problem. Fahrräder interessieren mich kaum. Auch Jogger oder andere alltägliche Dinge lösen bei mir normalerweise keine grossen Reaktionen aus.
Menschen sind dagegen deutlich spannender. Vor allem fremde Menschen.
Noch spannender werden sie, wenn sie sich in einem Bereich bewegen, den ich als „mein Quartier“ betrachte.

Warum Hunde überhaupt bellen
Je mehr meine Menschen über Hunde gelernt haben, desto mehr wurde ihnen klar, dass Bellen zunächst einmal etwas völlig Normales ist.
Hunde bellen aus unterschiedlichen Gründen:
- um auf etwas aufmerksam zu machen
- aus Unsicherheit
- aus Aufregung
- aus Frust
- zum Schutz ihres Territoriums
- oder einfach, weil sie gelernt haben, dass es funktioniert
Besonders territoriales Verhalten ist bei vielen Hunden weit verbreitet. Der Hund nimmt sein Zuhause, den Garten oder bestimmte Bereiche als sein Revier wahr und meldet Veränderungen.
Genau hier erkennen meine Menschen einige Parallelen zu meinem Verhalten.
Das Problem ist nicht das Bellen
Heute sehen meine Menschen das etwas differenzierter. Das eigentliche Problem ist nicht, dass ich belle. Ein Hund darf schliesslich Hund sein.
Schwierig wird es dann, wenn ich nicht mehr aufhöre.
Wenn ich bereits längst gemeldet habe, dass sich draussen jemand bewegt, meine Aufgabe eigentlich erfüllt wäre und ich trotzdem weiter kommentiere.
Genau dieser Punkt nervt Frauchen manchmal. Vor allem dann, wenn draussen völlig normale Dinge passieren und ich trotzdem den Eindruck vermittle, als stünde das Quartier kurz vor einer Invasion.

Kinder sind ebenfalls spannend
Eine weitere Situation bringt mich regelmässig in Schwierigkeiten.
Kinder.
Nicht weil ich Kinder nicht mag.
Ganz im Gegenteil.
Wenn Kinder herumrennen, hüpfen oder laut spielen, möchte ich am liebsten sofort mitmachen. Mein Enthusiasmus kommt allerdings nicht immer gleich gut an. Während ich voller Begeisterung aufspringen möchte, erschrecken sich manche Kinder eher über einen aufgeregten Hund, der plötzlich Teil ihres Spiels werden möchte. Auch daran arbeiten wir noch.
Was wir bisher gelernt haben
Wenn ich ehrlich bin, gibt es für diesen Artikel keine perfekte Erfolgsgeschichte. Meine Menschen haben dieses Thema bisher nicht konsequent trainiert. Das geben sie offen zu.
Wie bei vielen anderen Themen im ersten Hundejahr dachten sie oft, dass sich manches vielleicht von selbst regeln würde. Heute wissen wir, dass gewisse Verhaltensweisen mit der Zeit eher stärker als schwächer werden. Je häufiger ein Hund ein Verhalten zeigt, desto normaler wird es für ihn. Das gilt leider auch für einen selbst ernannten Sheriff.
Unser wichtigstes Learning
Das grösste Learning ist wahrscheinlich, dass Hunde manchmal Aufgaben übernehmen, die ihnen niemand gegeben hat.
Ich habe offenbar beschlossen, dass ich für die Sicherheit unserer Strasse zuständig bin.
Meine Menschen sehen das etwas entspannter. Sie würden sich wünschen, dass ich ihnen kurz Bescheid gebe und die Angelegenheit danach wieder abgebe. Ich hingegen neige dazu, mich etwas zu stark in meine Arbeit hineinzusteigern.

Fazit: Der Sheriff ist noch im Dienst
Falls dein Hund ebenfalls jeden Besucher, jeden Nachbarn oder jede Bewegung vor dem Fenster kommentiert, bist du nicht allein.
Viele Hunde entwickeln mit der Zeit ein ausgeprägtes Interesse an ihrem Umfeld und fühlen sich für Dinge verantwortlich, die eigentlich gar nicht ihre Aufgabe sind.
Bei uns gehört dieses Thema noch immer zu den Baustellen. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum wir darüber schreiben. Nicht weil wir die perfekte Lösung gefunden haben. Sondern weil wir als Ersthunde-Familie lernen, dass Hundehaltung oft weniger mit Perfektion und viel mehr mit Geduld zu tun hat.
Und jetzt entschuldige mich bitte.
Ich glaube, bei den Nachbarn läuft gerade jemand die Treppe hoch.
Liebe Grüsse,
Gino 🐾







