Alleine bleiben lernen: Haben wir irgendwie vergessen
Es gibt da ein kleines Problem
Hallo, ich bin Gino.
Ein Maltipoo mit flauschigem Fell, grossen Knopfaugen und einer sehr klaren Meinung zu einem bestimmten Thema: Alleine bleiben.
Genauer gesagt: Ich finde, das wird völlig überbewertet. Leider sehen das meine Menschen mittlerweile etwas anders.
Eigentlich war alles perfekt
Als ich bei meiner Familie eingezogen bin, arbeitete Herrchen bereits von zuhause aus. Frauchen ebenfalls. Irgendjemand war praktisch immer da.
Wenn ich müde war, schlief ich. Wenn ich spielen wollte, war jemand da. Wenn ich kuscheln wollte, war jemand da. Und wenn ich einfach nur kontrollieren wollte, was meine Menschen gerade machen, war ebenfalls immer jemand da.
Aus meiner Sicht war das ein hervorragendes System.
Das Problem mit dem Homeoffice
Rückblickend würden Experten wahrscheinlich sagen, dass wir hier eine grosse Chance verpasst haben.
Viele Hundetrainer empfehlen, das Alleinebleiben bereits im Welpenalter in kleinen Schritten zu üben. Nur gab es bei uns ein kleines Problem: Wir mussten es nie.
Es gab keinen Grund. Keinen Alltag, der es erforderlich machte. Keinen festen Zeitpunkt, an dem ich regelmässig alleine zuhause bleiben musste.
Also wurde das Thema immer wieder verschoben. Bis plötzlich ein Jahr vergangen war.

Herrchen darf verschwinden
Ganz so schlimm ist es allerdings nicht.
Wenn Herrchen in einen anderen Stock geht, bleibe ich oft entspannt im Wohnzimmer. Ich kaue auf meinem Knochen, liege auf meiner Decke oder döse vor mich hin.
Ab und zu äussere ich meine Gefühle mit einem kleinen Wolfgeheul, damit alle wissen, dass ich Herrchens Abwesenheit bemerkt habe. Aber grundsätzlich komme ich damit ganz gut zurecht.
Frauchen dagegen hat ein anderes Problem
Oder besser gesagt: Ich habe ein Problem.
Denn Frauchen bewegt sich manchmal durch diese seltsamen Absperrgitter. Diese Gitter, die früher verhindern sollten, dass ich das ganze Haus mit Pfützen dekoriere.
Sobald Frauchen auf die andere Seite geht, beginnt mein inneres Alarmsystem zu arbeiten. Ich laufe hinterher, beobachte und warte. Und wenn ich nicht folgen darf, wird protestiert.
Mal lauter. Mal leiser. Aber protestiert wird.
Das Schmollen an der Treppe
Mit der Zeit habe ich eine Strategie entwickelt.
Wenn Frauchen nicht zurückkommt, lege ich mich an den Rand der Treppe. Dort warte ich. Und schmolle.
Zumindest bilde ich mir ein, dass ich schmolle.
Frauchen behauptet, ich sähe dabei einfach nur niedlich aus. Aber ich finde, meine Botschaft ist eindeutig:
Ich wäre bereit, die Aufsicht über sie wieder zu übernehmen.

Wie lange kann ich alleine bleiben?
Die ehrliche Antwort?
Nicht besonders lange.
Wenn meine Menschen das Haus verlassen, beginnt das Jammern praktisch sofort. Nach einer Weile höre ich zwar wieder auf. Aber die Begeisterung hält sich in Grenzen.
Deshalb vermeiden wir solche Situationen aktuell meistens. Nicht weil es unmöglich wäre. Sondern weil es in unserem Alltag bisher kaum notwendig war.
Warum wir das Thema trotzdem angehen wollen
Auch wenn unser aktueller Alltag gut funktioniert, wissen wir natürlich, dass ein Hund lernen sollte, entspannt alleine bleiben zu können.
Nicht für Stunden. Nicht jeden Tag. Aber für die Situationen, die im Leben nun einmal vorkommen.
Ein Arzttermin. Ein Einkauf. Ein spontaner Termin. Oder einfach ein Restaurantbesuch.
Deshalb steht das Thema mittlerweile ziemlich weit oben auf unserer Trainingsliste.
Was Experten empfehlen
Wenn wir heute mit unserem Wissen nochmals beginnen würden, würden wir wahrscheinlich früher kleine Schritte einbauen.
Viele Hundetrainer empfehlen:
✔ Nur wenige Sekunden beginnen.
✔ Die Dauer langsam steigern.
✔ Ruhiges Verhalten belohnen.
✔ Rückkehr und Verabschiedung möglichst unspektakulär halten.
✔ Geduldig bleiben.
Viele Hundehalter setzen beim Alleinebleiben ausserdem auf gefüllte Kongs, Schleckmatten oder Kauartikel, damit der Hund die Abwesenheit mit etwas Positivem verbindet.
Denn Alleinebleiben ist für viele Hunde etwas, das sie erst lernen müssen. Und genau wie bei der Stubenreinheit funktioniert das meist nicht von heute auf morgen.
Unsere Erfahrungen dazu findest du übrigens auch im Artikel „Stubenreinheit beim Welpen“.

Ist es jetzt zu spät?
Diese Frage haben wir uns tatsächlich gestellt.
Die gute Nachricht:
Nein.
Auch ein einjähriger Hund kann noch lernen, alleine zu bleiben. Vielleicht dauert es etwas länger. Vielleicht braucht es mehr Geduld. Aber unmöglich ist es nicht.
Und ehrlich gesagt beruhigt uns dieser Gedanke ziemlich.
Unser grösster Fehler
Wenn wir heute einen Fehler benennen müssten, dann wäre es nicht mangelnde Konsequenz. Nicht falsches Training. Nicht die falsche Methode.
Sondern schlicht: Wir haben es nicht geübt. Weil wir es nicht mussten.
Manchmal sind die einfachsten Erklärungen die richtigen.
Fazit
Aktuell stehen auf unserer Trainingsliste drei grosse Themen:
✔ Alleine bleiben
✔ Nicht mehr bellen, wenn es klingelt
✔ Entspannte Hundebegegnungen
Welches Thema wir zuerst angehen, wissen wir noch nicht genau. Aber eines ist sicher:
Darüber wird es später weitere Geschichten geben.
Falls dein Welpe gerade erst eingezogen ist, könnten auch unsere Artikel „Welpe zieht ein: Unsere Familien-Checkliste“ und „Die erste Nacht mit Welpe Gino“ hilfreich sein.
Und falls du gerade einen Welpen zuhause hast und denkst, du solltest vielleicht langsam mit dem Alleinebleiben beginnen:
Dann nimm diesen Artikel einfach als freundliche Erinnerung.
Liebe Grüsse,
Gino 🐾







